Schweinehaltung: Das Tierwohl im Blick


Die Schweinehaltung ist ein wichtiger Schwerpunkt der Landwirtschaft in Westfalen-Lippe und ein sensibler Bereich, der gesellschaftliche Fragen aufwirft und Landwirte in besonderem Maße in die Verantwortung nimmt. In der täglichen Arbeit steht dabei das Tier für uns an erster Stelle.

Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr machen wir uns für Tierwohl und Tierschutz stark. Wir verbringen täglich viel Zeit mit unseren Schweinen und überzeugen uns davon, dass es ihnen gut geht.  Wir machen Schweinehaltung. Mit richtig viel Herz.

Gut zu wissen


Fleisch kommt hierzulande gerne und viel auf den Tisch. Schweinefleisch gehört zu den beliebtesten Fleischarten in Deutschland. Gleichzeitig ist die Fleischproduktion und die Schweinehaltung ein sensibles Thema, welches unter Aspekten der Gesundheit, des Tierwohls und der wirtschaftlichen  und gesellschaftlichen Verantwortung diskutiert wird. Ein paar Fakten können helfen, einen eigenen Standpunkt zu finden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch lag 2016 bei 50,2 kg, wovon der menschliche Verzehr geschätzt rund 36,2 kg ausmachte. Das ist weniger als vor zehn oder 20 Jahren. Trotzdem empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), den Fleischkonsum – inklusive Wurst – generell  auf 600 g pro Woche (also auf ca. 30 kg pro Jahr) zu beschränken.

Fast 20.000 Familienbetriebe in Westfalen-Lippe halten Tiere. Auf 8.300 davon werden Schweine gehalten – das macht insgesamt rund 6,5 Millionen Schweine in Westfalen-Lippe.

Schweine sind grundsätzlich Herdentiere, die in Gruppen zusammenleben, welche sich für die Zeit des Abferkelns auflösen. Das Zusammenleben der Schweine wird durch eine Rangordnung geregelt, die – einmal festgelegt – sehr stabil ist.

Schweine werden überwiegend in Ställen gehalten. Nur vereinzelt, oft auf biologisch wirtschaftenden Betrieben, findet man die Tiere in Freilandhaltung. Im Stall werden tragende Sauen, abgesetzte Ferkel, Jungsauen, Mastschweine und Eber getrennt voneinander gehalten, um individuell auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen.

Sauen werden mit 6 Monaten geschlechtsreif und bringen 2 mal im Jahr Ferkel zur Welt. Die Tragezeit beträgt 3 Monate, 3 Wochen und 3 Tage. Die Ferkel  bleiben 31 bis 35 Tage zum Säugen bei der Sau.

Weltweit gibt es mehr als 700 Schweinerassen. In Deutschland sind vor allem die Deutsche Landrasse, Deutsches Edelschwein und Deutsches Piétrain weit verbreitet.

Wofür wir uns engagieren


Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Schweinehaltung zugunsten des Tierwohls weiter zu optimieren. Mit der Offensive Nachhaltigkeit signalisieren wir die notwendige Veränderungsbereitschaft. Dazu gehört die klare Haltung, ehrlich Probleme und Schwachstellen unserer Arbeit zu benennen und aktiv an einer Problemlösung zu arbeiten. Einige Projekte wollen wir hier gern exemplarisch vorstellen:

Reduktion des Antibiotika-Einsatzes
Als verantwortungsvolle Schweinehalter haben wir uns dem Wohl der Tiere verschrieben. Das bedeutet aber auch, dass wir sie bei Krankheiten medizinisch behandeln. Dabei setzen wir auch Antibiotika ein – allerdings so wenig wie möglich, nie prophylaktisch, sondern immer vom Tierarzt verordnet und vollständig dokumentiert. 

Ringelschwanz-Projekt 
Das Kürzen von Schwänzen bei Saugferkeln wird in der konventionellen Tierhaltung als wirksamste Vorbeugung gegen das Schwanzbeißen bei Schweinen angesehen. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband hat sich bereits 2014 dazu entschieden, ein „begleitetes Ausstiegsszenario“ zu entwerfen, durch das mittelfristig auf das routinemäßige Kürzen von Schweineschwänzen verzichtet werden kann.

Reduzierung des Düngemittel-Einsatzes 
Mit der Tierhaltung verbunden ist der Anfall von Gülle, Mist und Jauche – so genannter Wirtschaftsdünger. Diese versorgen die Böden mit Humus und verringern oder ersetzen den Einsatz von Mineraldüngern. Aber: In stark viehhaltungsorientierten Betrieben hat sich ein Ungleichgewicht zwischen der Menge an anfallendem Wirtschaftsdünger und der zu düngenden Fläche entwickelt. Im Leitprojekt werden Strategien entwickelt, eine bessere Verteilung der Wirtschaftsdünger zu realisieren.

Landwirte mit richtig viel Herz


Wir Landwirte in Westfalen-Lippe wollen „Gesicht zeigen“: uns, unsere Höfe und unser Engagement vorstellen und unsere Offenheit signalisieren – für Besuche, Gespräche, auch für andere Meinungen und Sichtweisen. Lernen Sie einige von uns kennen.

Hubertus Beringmeier
Der Schweinemäster aus Espeln im Kreis Paderborn engagiert sich in der Initiative Tierwohl und lädt ein zum virtuellen Stallbesuch.

Heinz-Georg Hartmann
Der Landwirt aus Amelsbüren setzt sich dafür ein, Möglichkeiten zu finden, auf das Ringelschwanz-Kupieren bei Ferkeln zu verzichten.

Dirk Nienhaus
Der Schweinehalter aus Bocholt im Kreis Borken berichtet über den Alltag als Betriebsleiter auf seinem traditionsreichen Bauernhof.

Besuchsoffene Höfe

Wir wollen ein realistisches Bild unserer Landwirtschaft zeigen. Viele unserer Höfe stehen interessierten Besuchern für einen Stallbesuch zur Verfügung. Finden Sie Bauernhöfe in Ihrer Nähe!

Auf den Punkt gebracht


Die Verbesserung des Tierwohls ist eine komplexe, gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn alle Partner in der Wertschöpfungskette – Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, der Lebensmitteleinzelhandel und letztlich auch der Verbraucher – gemeinsam konkrete Veränderungen in Gang setzen. Die Initiative Tierwohl startete 2015 und versteht sich als Motor dieses Prozesses.


Finanziert wird die Initiative Tierwohl vom teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandel. Folgende Unternehmen führen pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch und -wurst 6,25 Cent an die Initiative ab. Mit diesem Geld, jährlich rund 130 Millionen Euro, werden Tierhalter für die Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen honoriert.


Die Initiative Tierwohl hat in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wirtschaft messbare Tierwohlkriterien entwickelt, die über gesetzliche Regelungen hinausgehen und eine Erweiterung der in Deutschland anerkannten Qualitätssicherungssysteme darstellen. Landwirte, die freiwillig bestimmte Maßnahmen umsetzen, erhalten unabhängig vom Marktpreis ein Tierwohlentgelt. Finanziert wird die Initiative durch die teilnehmenden Einzelhandelsketten. Sie zahlen für jedes verkaufte Kilo Fleisch- und Wurstware von Schwein, Hähnchen und Pute 6,25 Cent auf ein Tierwohl-Konto ein. So kommen im Jahr 130 Millionen Euro zusammen.


Das Image von Fleisch schwankt zwischen ungesund, weil fett- und cholesterinreich, und unverzichtbar, weil vitamin- und mineralstoffreich. Gutes Essen bedeutet für uns Lebensqualität. Und unsere Leidenschaft für Lebensmittel teilen wir gerne: In unseren Hofläden in Westfalen-Lippe finden Verbraucher von Fleisch aus eigener Haltung Wer genau wissen möchte, wo sein Fleisch herkommt, der kauft es am besten beim Landwirt direkt oder dem Schlachter seines Vertrauens. Achten Sie auf eine rosa­rötliche Fleischfarbe und eine trockene, aber nicht vertrocknete Oberfläche. Im Supermarkt halten Sie Ausschau nach Siegeln auf der Verpackung.

Die Tiergesundheit erhält von Seiten der Landwirte einen immer höheren Stellenwert. So beziehen etwa Schweinemäster immer mehr Ferkel aus nur einem Ferkelerzeugerbetrieb und führen vor dem Aufstallen von Jungtieren eine intensive Reinigung und Desinfektion der Ställe durch.

Wenn Tiere dennoch krank werden, ist es die Pflicht von Tierärzten und Landwirten, sie adäquat zu behandeln. Im Falle bakterieller Erkrankungen kann es dann bei entsprechender Indikation durch den Hoftierarzt zum Einsatz von Antibiotika kommen. Diese müssen für die Tierhaltung zugelassen sein.

In den vergangenen Jahren hat sich der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung deutlich reduziert. Die Menge der Antibiotika für die Tierhaltung war in den letzten Jahren rückläufig: So hat sich in Deutschland die für die Tiermedizin (inklusive Haustiere) abgegebene Menge an Antibiotika zwischen den Jahren 2011 und 2016 von 1.706 auf 742 Tonnen mehr als halbiert (minus 56,5 Prozent).

In Deutschland gibt es neben den baurechtlichen Vorschriften, die die Wahl des Standortes und die Gestaltung wirtschaftlicher Gebäude betreffen, wichtige rechtliche Regelungen, die eingehalten werden müssen. So ist in der Deutsche Nutztierhaltungsverordnung beispielsweise genau geregelt, wie viel Platz Schweine für eine tiergerechte Unterbringung in ihrem Stall benötigen. Vorgeschrieben ist darüber hinaus die Zahl der Tränken, der Mindestlichteinfall oder der Zugang zu Beschäftigungsmaterial, das dem Erkundungsverhalten dient. Ähnliche Vorgaben gibt es für alle Tierarten. Den Haltungsvorschriften schließen sich darüber hinaus Vorgaben zur Luftreinigung an – vor allem für größere Tierhaltungsbetriebe.

Als eine der Grundvoraussetzungen achten Landwirte darauf, dass ihre Tiere ausreichend und in guter Qualität Wasser und Futter erhalten. In geschlossenen Ställen kommt der Stallklimaführung zusätzlich eine hohe Bedeutung zu. So lässt sich beispielsweise verhindern, dass die Tiere Zugluft oder Schadgasen ausgesetzt sind. In der Schweinehaltung kann durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Schweinemästern und Ferkelerzeugern die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten reduziert werden. Gleichwohl lässt sich nicht gänzlich verhindern, dass es über den Menschen, gerade in der kalten und feuchten Jahreszeit, zu Krankheitsausbrüchen kommt – beispielsweise einer Influenza, vergleichbar mit einem grippalen Infekt.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Hier erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Sekrete, Blut, Sperma), die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen bzw. -zubereitungen sowie andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschl. Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung). Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Die Afrikanische Schweinepest, gegen die es im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest keinen Impfstoff gibt,  ist für Menschen ungefährlich.


Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in den Wildschweinbeständen der betroffenen Regionen in Osteuropa immer weiter aus (Polen, Baltikum, Moldawien, Rumänien und Tschechien) und rückt weiter Richtung Westeuropa vor. Bereits ein ASP-Ausbruch bei Wildschweinen hätte für die Schweine haltenden Betriebe in dem dann abgegrenzten gefährdeten Bezirk dramatische Folgen – noch mehr, da auf unseren Bauernhöfen in Westfalen-Lippe ein besonderer Schwerpunkt auf der Schweinehaltung liegt. Zum Schutz der heimischen Hausschweine in unseren Ställen plädieren wir dafür, durch eine Verringerung der Wildschweinbestände das Risiko eines Ausbruchs zu minimieren.

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